Ferienschreibwerkstatt

 Gedanken zum Wörtchen "gleich" Im Lokal der Vokale 

Schreiben nach Musik

Der Tiefpunkt der Party

Eben noch, als die Nacht uns ihre Schatztruhe öffnete, wirkte der Raum hier frisch und das helle Grün an den geglätteten Wänden ließ Gemütlichkeit erahnen. Wir haben uns der donnernden Musik hingegeben, der jungfräuliche Charme dieser Party ließ die Gemüter aufblühen.
Gerade dem Schneegestöber draußen entflohen, hab‘ ich mich hier hingesetzt, zu einem reichen, vollen Buffet, umtanzt von dynamischen jungen Menschen mit sitzenden Frisuren.
Jetzt schon, wo die Nacht ihre Koffer packt, trieft dieser Raum vor klebriger Luft und das dunkelnde Grün an den runzligen Wänden wiegt uns in den Schlaf.
Drückend ist die Stimmung, deren einstige Milde nunmehr zu einer Mulde verkommen ist, in der die schlaff-verschlafenen Körper versinken, in die Couch geplumpst, mit zerwuselten Frisuren, neben den kümmerlichen Krümeln eines Buffets. Auf dem Teppich die hässlichen Reste von einstmals knackigen Chips, die sich in unseren Mägen zu Brei ballen. Wir haben genug von dem Zeug.
Gähnend liegen wir hier, die schweißgeschwängerte Luft schnürt unsere Kehlen, die im Schädel sackenden Getränke tun ihr Übriges dazu bei, vereinzelt kommt ein Wort, das hoffnungslos im Raum herumstolpert und zu Boden fällt, ohne dass wer es aufhebt.
Nach dem Motto: Wort torkelt, Wort plumpst, Wort zittert nach – Wort futsch.
"Na", sagt jemand zu mir. Ich hab’s nicht gehört.
In dialogloser Schwüle zergehend, im Kopf wühlende Würmer fühlend, die alle Lust verschlingen, sehnen wir uns nach draußen, sehne ich mich nach kühlem Schnee, nach Kälte auf dem heißen Gesicht.
Verlockend tänzeln die weißen Flocken vorm Fenster zu luftiger Musik, zu Musik, die weht und weht, zu Musik, die flüstert: Psssssssssssst, ja sie macht Pssssssssssssst, ganz sacht Psssssssssssssst...
"Jaja", sagt irgendjemand.

(Daniel Stry)

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